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Eine Microbrauerei auf über 2000 Metern Höhe. Die Lavarella Hütte.

“Alles hat damit begonnen, dass nach der baulichen Erneuerung 80 m2 Keller frei geblieben waren”, erzählt uns der Junior-Hüttenwirt Gábor. Vor uns am Tisch auf der Terrasse vor der Lavarellahütte funkeln die frischen Biere in der Sonne, die er eben hier auf über 2000 Metern gebraut hat. 

Wir sind mit den Mountainbikes gerade erst angekommen, hier im Herzen des Fanes-Sennes-Prags Naturpark. Das Hochplateau, wo schon 1912 die ersten Hütten von Einheimischen standen, wird von einem Gebirgsbach durchzogen, der in der Mitte einen kleinen See eingerichtet hat. Es ist ein wunderbarer Flecken, denken wir, während wir einen ersten Schluck vom kühlen Bier nehmen. Unbezahlbar.

Wir haben die Hütte bei unseren Sattelitenbilder-Streifzügen auf Google Maps entdeckt und die feinfühlige Darstellung im Web hatte uns sofort überzeugt. Und natürlich die außergewöhnliche Geschichte, dass hier vermutlich die kleinste, höchstgelegene Privatbrauerei der Alpen steht. Von außen nicht zu erkennen, außer man versteht, wohin die Sonne durch das kleine Fenster im Boden der Terrasse ihre Strahlen schickt. 

Wir folgen Gábor in den Keller, vorbei am jetzt noch leeren Skiraum, in diese Microbrauerei, wie er sie nennt. Im betonierten und verfliesten Raum stehen glänzende Stahltanks, in denen sich die Lichtstrahlen von oben verfangen. Hier braut er rund 450 Liter pro Produktion – 100 % zum Eigengebrauch in der Hütte. Begonnen hatte alles mit einem Hobby, heute ist er diplomierter Bierexperte und zaubert hier spritziges Weizen, naturtrübes Helles und spezielles Craft Beer, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot mit dem kristallklaren Bergwasser der Dolomiten. Aus der Begeisterung zu diesem Handwerk hat sich eine spannende, wirtschaftliche Perspektive entwickelt, bleibt so doch einiges mehr an Wertschöpfung im eigenen Betrieb. 

Gerade in so exponierten Lagen mit aufwändigen Transportwegen wird die moderne Eigenproduktion (wieder) ein essentielles Modell, das die Umwelt schont und Kultur zu erhalten bzw. zu erneuern vermag. Noch gibt es auch ein klassisches Bier einer großen Brauerei auf der Karte. „Für die Deutschen, die sich noch nicht trauen“, lacht Gábor.

Am Abend lernen wir auch seine Frau Anna kennen und man erkennt, dass die Leidenschaft für Qualität hier kein einmaliger Zufall ist, sondern die Passion eines weltoffenen Paares. Denn: Anna ist seit 2017 Weinsommelière mit staatlich anerkanntem Diplom. Ein Umstand, den wir beim Abendessen aus vollen Gläsern mit großartigen Weinen genießen können, während wir in den fantastischen „Gnocchi della Nona“ versinken, die Annas Mutter zaubert. Mit den Kindern von Anna & Gábor ist bereits die nächste Generation am Heranwachsen, die am Nachmittag so wie schon sie selbst unbeschwert auf den Wiesen vor der Hütte spielen. 

Der Abend wird lang, längst hat sich der Sternenhimmel über die prächtigen Dolomiten entfaltet und wir sind die letzten Gäste an der Bar. Und so erleben wir auch das herzliche, tägliche Ritual des Teams, mit dem sie den Tag abschließen: Ein kräftiges „Vives!“, während sich ihre Bier- & Weingläser küssen. Ein Trinkgruß, der den ladinischen Wurzeln der Familie entspringt und den wir sofort ins Herz schließen.

Vives! Auf das Leben! Auf den Genuss! Auf über 2000 Metern in einer Hütte mit einfachen Betten. Das hat Zukunft. 

Danke Anna & Gábor und bis bald! 

https://lavarella.it/de/

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