ES VERSCHLÄGT EINEM
EINFACH IMMER WIEDER
DIE SPRACHE.

Auf dem Weg zur Geislergruppe
in Südtirol. Die Faszination der Dolomiten jenseits der Masse, zu der man selbst gehört.

Die Autobahn hat mehr mit Wanderwegen & Klettersteigen gemein, als man meinen möchte. Bei beiden wäre man am liebsten immer alleine, schimpft über die anderen, die da schon wieder unterwegs sind und Stau produzieren obwohl man selbst einer von ihnen ist. Da hilft nur eines. Wirklich früh losfahren, dann ist die Autobahn leer. Und: Antizyklisch alpine Hotspots besuchen, dann kann man auch dort einsame Momente erleben.

Also fahren wir los. Es ist 7 Uhr früh, werktags Ende April. Wir holen uns bei nahen Tankstelle noch schnell einen kräftigen Kaffee. Kurz am Autodach abgestellt, zieht dieser ob der niedrigen Temperaturen schöne Dampfschwaden. Genauso hat es auszusehen, wie es uns die mächtige Bilderwelt von Instagram vielfach gezeigt hat so und nicht anders. Ein Instamoment, welchen die Wenigsten je selbst erleben werden. Zu früh. Zu kalt. Lieber im Bett das Foto liken und den Snooze Button zum fünften Mal drücken.

Und wirklich, es ist kalt. Kurz nachdem wir die Brenner Autobahn aufgefahren sind, um einen besonderen Flecken der Dolomiten zu erkunden, beginnt es zu schneien. Momente, in denen man sich fragt, warum man nicht doch 3 Euro in eine bessere Wetter App investiert hat. Die Hoffnung bleibt, wir fahren doch in ein anderes Land, südlich in wärmere Gefilde. Da muss das Wetter anders sein.

Unser Ziel heute: Die Nordseite der Geislergruppe, nur 110km von Innsbruck entfernt, die man in 1h30min locker abspult. Oder: Von München 250km in 3h20min. Auch keine Weltreise. Dabei denken die meisten, wenn sie Dolomiten hören, hauptsächlich an die gewaltigen 3 Zinnen und den prächtigen Rosengarten. Vielen wird nicht bewusst sein, wie vielfältig die Dolomiten sind. Ein Kurzstudium via Wikipedia lohnt sich und hilft in Sachen Wissen und bei dem Erweitern der Liste von Bergzielen.

Kurz vor der Mautstation von Sterzing entdeckt der kleine Bub in mir eine morgendliche Freude, die ich nicht auslassen kann. Eine große Wasserpfütze. Ich kann nicht beantworten, warum mir das so viel Spass macht. Schon als Junge mit dem Fahrrad, heute mit dem Auto. Ich muss durch fahren, es geht nicht anders. Und richtig gemacht hat man es nur, wenn die Frontscheibe gänzlich schwimmt. Der Moment führt zu einer tiefen Diskussion über das Kind in uns und wie sehr es uns durch Schulsysteme und Arbeitswelten vehement ausgetrieben werden soll. Klar, wer nicht mehr neugierig ist, nicht spielen möchte und seinen Emotionen keinen Raum gibt, ist leichter zu steuern. Ernst ist ein Roboter.

Mazda MX5
Mazda MX5

Dank der hartnäckigen Wolken brauchen wir uns nicht zu beeilen. Ein Zwischenstopp in Brixen ist drinnen, um die wunderbaren Croissants der Konditorei Pupp zu genießen. Ein unscheinbares Café am Beginn der Fußgängerzone, etwas in die Jahre gekommen und immer voll um diese Zeit. Espresso & Zucker peitschen uns munter, wir wollen weiter. Endlich raus in die Natur.

Kurz nach Brixen geht es dann runter von der Autobahn, rauf nach St. Maddalena. Kurven, wie gemacht für unseren spritzigen, fahrbaren Untersatz. Der neue MX-5 von Mazda. Der meistverkaufte Roadster der Welt, der in der neuen Auflage dank stärkerem Motor nochmal mehr Spass macht. Wider die Vernunft. Das Kind in mir jubelt. Die cabriofeindlichen Außentemperaturen kompensieren wir durch Bergausrüstung. Verdeck runter, Haube rauf. Muss sein.

Als wir am Parkplatz ankommen, blitzen die 1000 Meter hohen Pfeiler der Geislergruppe aus den Wolken. Leuchtend angezuckert – Neuschnee. Auch im Wald liegt noch der letzte Schnee des Winters. Dafür: Ruhe. Im Sommer ist dieser Ort wie eine Stadtautobahn. Doch nicht heute.

Geislergruppe-kaninchen

Nach 90 Minuten erreichen wir die Geisleralm, wo wir alleine die Stille genießen. Unvorstellbar, wenn man die Alm von einem normalen Wochenende im Sommer her kennt. Nur ein Kaninchen leistet uns Gesellschaft, das wohl kurz vor dem Winter aus dem Stall ausgebüxt ist. Dankbar nimmt es unsere Futterspenden an. Ebenso wie wir das Sonnenfenster, welches sich über uns öffnet und langsam den Nebelschleier vor den Gipfelformationen mit seiner Wärme vertreibt.

Es verschlägt einem immer wieder die Sprache, wenn man vor den Dolomiten sitzt und sich die Zeit nimmt, ihre Felsformationen zu studieren so, als ob man wie die jungen, waghalsigen Abenteurer einer anderen Zeit eine Route zur Bezwingung suchen würde. Ehrfürchtig blicken wir hinauf. Wie war es damals wohl, als die Pioniere einen der beiden Hauptgipfel, die Sass Rigais und die Furchetta mit ihren 3025m, mit der damaligen Ausrüstung bezwangen?

Die besondere Strahlkraft der Dolomiten liegt für mich in ihrer geologischen Besonderheit, in ihren markanten, senkrechten Spitzen, die mich geschickt in ihren Bann ziehen. Ich sitze und staune und ein Projekt ist geboren. Nächstes Jahr stehe ich auf einer dieser Spitzen, von deren Besteigung auch der Management Vordenker Fredmund Malik in seinem Buch Wenn Grenzen keine sind schwärmt.

Vielleicht ist es auch ein Symptom unserer komplexen Zeit, eine Gegenbewegung jener, die primär in Büros sitzen, dass der Bergsport längst kein Nischensport für Verrückte mehr ist. Die Besteigung eines anspruchsvollen Gipfels hat eine spezielle Anziehung und Faszination. Vielleicht sind es auch die Sehnsucht nach Konzentration (die uns der Bergsport abverlangt) und die klaren, sichtbaren Erfolge des Gipfelsiegs und des wohlbehaltenen Heimkommens, was die Berge heute so attraktiv wie nie machen.

Auch wir sind wieder unten angekommen, voll bepackt mit Vorsätzen für die Sommersaison. Noch aber müssen wir uns mit engen Kurven zufriedengeben, bevor wir steile Flanken erklettern können. Diese machen mit dem MX-5 aber auch ähnlich viel Spass. Wehmütig fahren wir die Autobahnauffahrt hinauf was die Forststraße für den Bergsteiger ist, ist die Autobahn für den leidenschaftlichen Autofahrer.

Die geschlossenen Almen hinterließen hungrige Bäuche und so bleiben wir abermals in Brixen stehen, um als Finale die italienische Küche zu genießen. Hier kehre ich immer wieder beim Traubenwirt ein. Das Nummer 1 Restaurant in Brixen laut Tripadvisor, das auch von mir 5 Sterne bekommt.

Mit vollem Bauch fahren wir wieder auf den Brenner. Das Aufstehen hat sich gelohnt und dennoch war der Tag zu kurz, um die Schönheit dieser Gegend voll aufzusaugen. Eine Übernachtung sollte jeder einplanen, der sich hierher auf den Weg macht um Momente des Glücks zu sammeln.

Südtirol verschwindet im Rückspiegel und während wir im meditativ wirkenden Lichtkegel am Asphalt in Stille versinken haben wir alle einen gemeinsamen Gedanken: Wir kommen bald wieder. Unbedingt.

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